GEDANKEN ZUR ÖFFENTLICHEN KUNST
Ein Text von Dani Karavan
Auftrag + Zeit + Ort + Ziel + Finanzmittel = Werk
| 1. |
Der Auftrag wird von einer öffentlichen oder privaten Institution
vergeben. |
| 2. |
Der vorbestimmte Ort kann in einem Stadtgebiet oder in der Natur liegen. |
| 3. |
Genaue Zeitangaben: Es muß festgelegt werden, ob das Werk nur
für eine bestimmte Zeit Bestand haben soll, ob es an ein bestimmte
Ereignis gebunden ist oder ob es von Dauer sein soll. Es muß auch
präzisiert werden, wieviel Zeit der Künstler bei der Vorbereitung
und Durchführung seines Werkes investieren kann. |
| 4. |
Der Zweck des Werkes: Mit welchem Ziel wurde der Auftrag vergeben und
wie wird er am zweckmäßigsten durchgeführt. |
| 5. |
Welche finanziellen Mittel stellt der Auftraggeber dem Künstler
zur Verfügung |
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| Photo: Peter Szmuk, Florenz |
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Aus dieser Gleichung ergibt sich eine Kunstform, die als Environment
bezeichnet wird. Damit ist das Wesen meines Werkes jedoch nicht ausreichend
beschrieben. Sicher steht es im Zusammenhang mit der jeweiligen Umgebung,
es beinhaltet jedoch nicht einfach landschaftsbezogene oder architektonische
Kreationen und es beschränkt sich auch nicht auf die Skulptur. In
meiner Kunst sind alle diese Aspekte zweifellos enthalten, wobei der Schwerpunkt
sicherlich auf Skulptur und Konzeptkunst liegt.
Wir müssen vom mobilen Objekt verabschieden und uns
einem Werk zuwenden, das für einen bestimmten Ort konzipiert ist,
dessen Entstehung, Entwicklung und Existenz an diesen Ort gebunden sind
und das aufhört zu existieren, wenn man es aus seiner Umgebung herauslöst.
Weg vom mobilen Objekt, das bedeutet zugleich, daß man einen neuen
Ansatz suchen muß, der die Gewohnheiten zeitgenössischer Kunst
hinter sich läßt.
Ich bemühe mich stets, am Ursprung , bei den Wurzeln
anzufangen, und ich überwache sämtlich Phasen bis zur letzten
Vollendung genau. Deshalb bestehen die meisten meiner Werke nur durch und
für den Ort, wo sie entstanden sind. Ich versuche das Werk ausgehend
von der vorgefundenen Umgebung in Angriff zu nehmen, ohne mich vorher in
bezug auf Form oder Material festzulegen. Meiner Ansicht nach gibt es keine
Formen oder Materialien, die anderen überlegen sind. Die Wahl hängt
jeweils von dem Sinn ab, den man der oben aufgeführten "Gleichung"
verleiht.
Die Arbeit am Ort ist eine Arbeit mit sichtbarem und Unsichtbarem,
mit fühlbarer Materie, mit dem persönlichen und historischen
Bewußtsein und Erinnerungsvermögen.
Ich habe immer versucht und versuche noch, stets am Anfang
anzufangen, indem ich den Samen lege und dann über jedes Stadium des
Wachstums wache. das ist ein komplizierter un eigenartiger Schaffensprozeß,
denn der Künstler lenkt ihn und wird gleichzeitig gelenkt, er gibt
seinem Werk eine bestimmte Richtung und läßt sich von ihm in
eine Richtung führen.
Meine Arbeit wird von Menschen, von der Gesellschaft finanziert,
und ihr Zweck ist es, in den Dienst von Menschen, in den Dienst der Gesellschaft
gestellt zu werden. Das bedeutet eine große Verantwortung gegenüber
der Gesellschaft ebenso wie gegenüber der Kunst. Ich bemühe mich,
für die Menschen schöpferisch aktiv zu werden, so daß sie
alle ihre Sinne benutzen können, daß sie hören und sehen,
riechen und fühlen köpnnen, während sie sich bewegen. Ich
arbeite für die Menschen, ich will sie einladen, mit ihrer Umgebung,
mit den Materialien, mit ihrer Erinnerung und mit sich selbst in einen
Dialog einzutreten.
Dani Karavan in: "DANI KARAVAN" von Pierre Restany
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