| Karavan arbeitete hier von 1962 - 1967 auf verschiedenen
Ebenen, sowohl im Inneren des Gebäudes als auch außen. Sein
Werk zeugt hier zwar noch vom rhetorischen Ansatz, aber auch bereits vom
semiotischer Ansatz. Der Künstler hat seinem Instinkt freien Lauf
gelassen, er hat sich bewußt in die Tradition versenkt, um aber sehr
frei von ihrem spezifischen Formenrepertoire Gebrauch zu machen. In der
alten Zeit richteten die Weisen aus dem Volk vor den Toren Jerusalems das
Volk. Das "Stadttor" überragt die große Treppe in der Eingangshalle
des Justizpalastes. Es ist eine Art Gittertür aus verschweißten
Metallblechen, deren röhrenartige, runde oder geschwungene Formen
wie eine Inventur des Gerichtsrituals wirken.
35 Betonreliefs , die während der Konstruktion des Gebäudes gegossen wurden, bilden Stockwerk für Stockwerk eine Saga aus traditionellen Zeichen. Der 1963 entworfene Innenhof des Justizgebäudes ist Karavans erster Versuch eines "totalen Ambientes". Auf einem Untergrund aus weißen Beton, deren Zwischenräume ein lineares Raster bilden, sind niedrige geometrische Formen in parallelen Reihen angeordnet: Prismen und verschiedene offene, durchbrochene oder konkave Würfel. Sie bilden den Gegenpol zu einer Monumentalen Gruppe aus einer großen Säule, einer Kugel und einem Block in Form eines dicken, entrollten Pergaments, in das die Verse des 21. Kapitels des zweiten Buches Mose eingraviert sind, die von den Gesetzen handeln. Zwei halbrunde Rasenstücke evozieren in diesem rein geometrisch-semiotischen Kontext die Präsenz der Natur Restany, Pierre in: "DANI KARAVAN, Die Saga der Zeichen" |
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| 1978: Florenz und Prato stellen die Synthese
aus den Environments von Venedig und Kassel dar und bilden nach dem Negev
Monument den zweiten Höhepunkt in Karavans Karriere. Seit zehn
Jahren befaßt sich Karavan nun mit Environments und Raumgestaltung,
mit der Erarbeitung eines Grundvokabulars aus einfachen geometrischen Strukturen
und Architekturfragmenten aus Beton, die er mit natürlichen Elementen
kombiniert: Wasserläufe, Lichtstrahlen, Bäumen, Windorgeln. Das
totale Ambiente ist eine Kunstlandschaft, die eingefügt wird in die
reale Landschaft, ist genau für den Ort und den Menschen am Ort bemessen.
Die Stadtverwaltung von Florenz stellte ihm die Innenräume und
Außenanlagen des Forte di Belvedere zur Verfügung.
Im Zuge der selben Aktion verband Karavan Florenz mit Prato, der Nachbarstadt
und alten Rivalin, indem er dort auf nicht weniger anspruchsvolle Weise
den Innenraum des Castello dell´Imperatore gestaltete. Dieses Environment
für den Frieden besteht aus weißem Beton, Olivenbäumen,
Rasen, Wasser, Windorgeln und Lichtlinie, mit Videodokumentation
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| Auf einer Anhöhe mit Blick über Tel
Aviv steht eines der schönsten Werke Karavans, der "White Square".
"Wir haben strahlend weißen Beton verwendet, der sich besonders gut
gegen den blauen Himmel absetzt und natürlich auf die ehemals weiße
Stadt Tel Aviv anspielt. Die Leute mögen diesen Platz, sie benutzen
ihn - genau das wollte ich. Die Spitze des Hügels war flach, das gab
mir die Größe vor. Diese Arbeit begann 1977, sie steht im Zusammenhang
mit dem Projekt, das ich für die documenta gemacht habe, dort arbeite
ich mit denselben Formen und Gestalten - mit sehr simplen geometrischen
Formen."
Haberlik, Christina in: tain 4/98, "RAUM ALS SKULPTUR - Der Bildhauer Dani Karavan" |
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| Die etwa 100 m lange Passage zwischen den Gebäuden des Wallraf-Richartz-Museums
und dem Museum Ludwig betont Karavan durch einen 2,7 m breiten Streifen
aus hellen Granitplatten, der in der Längsachse von sechs aneinandergelegten
Eisenbahnschienen geteilt wird. Er stößt östlich auf ein
vertikales Element, einen durchbrochenen Turm mit steil abgestuften Elementen
aus sechs Blöcken, wobei sich grauer Granit und schwarzes Gußeisen
abwechseln. Dieses Element gibt dem Projekt seinen Namen,"Ma´alot",
ein sehr altes Wort, daß Stufen, Abstufung in jedem Sinne bedeutet.
Des weiteren befinden sich vor dem Museum ein elliptischer Platz, der durch
sechs Kreise , abwechselnd aus Gußeisen und Granit betont ist.
Die Ziffer 6 ist der Schlüssel der Zahlensemiotik in diesem Werk. Restany, Pierre in: "DANI KARAVAN, Ma´alot: Wenn die 9 zur 6 wird" |
| Der "Way of Light" von Karavan befindet sich
in der Grünanlage, in der Nähe des Heiligen Hügels, auf
dem ehemals die Festung stand. Eine nach den vier Himmelsrichtungen ausgerichtete
Plattform wird in ihrer Ost-West-Achse von einem Wasserlauf durchschnitten.
Die Nord-Süd-Achse durch die Mitte der Plattform markieren zwölf
längs markierte Baumstämme von zwölf verschiedenen Baumarten.
Die Schnitthälften von zwei weiteren halbierten Baumstämmen an
den Endpunkten der Wasserlinie sind mit Blattgold belegt. Karavans "Lichtweg"
ist dem aufgeklärten Herrscher Se Jong gewidmet, dem die Koreaner
den Hangul - das koreanische Alphabet -, die Messung des Wassers, ein Musikinstrument
und die Sonnenuhr verdanken.
Restany, Pierre in: "DANI KARAVAN, Der Lichtweg im olympischen Skulpturenpark in Seol" |
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| 1989 wurde mit dem Projekt der "Straße
der Menschenrechte" begonnen, bei dem der alte und der neue Teil des Germanischen
Nationalmuseums in Nürnberg verbunden wird. Ein imposanter Ort: auf
der einen Seite stößt er an die alte Stadtmauer, für die
andere Seite hat Dani Karavan eine Fassade aus weißem Beton mit drei
Torbögen entworfen. Der Raum zwischen den beiden Gebäuden des
Museums wird von 30 Säulen beherrscht. Jede von ihnen trägt einen
der 30 Paragraphen der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, die
1948 von den Vereinten Nationen verabschiedet wurde. Die Paragraphen sind
auf der einen Seite in Deutsch, auf der anderen in einer Sprache zu lesen,
die von einem Volk gesprochen wird, das weltweit Opfer von Diskriminierung
war oder ist, oder das sich durch seinen Widerstand gegen das Naziregime
hervorgetan hat.
Restany, Pierre in: "DANI KARAVAN, Eine ausdrücklich politisch Kunst" Weitere Informationen über die Straße der Menschenrechte,die Eröffnugsrede Karavans und eine kurze Biographie von ihm gibt es auf der Homepage der Stadt Nürnberg |
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| Hauptachse Cergy Pontoise |
| 1980 erhielt Karavan den äußerst umfangreichen Auftrag, dessen Ende er noch lange nicht absieht: die Gestaltung der Hauptachse Cergy- Pontoise, einer neuen Trabantenstadt bei Paris. Auf einer Länge von drei Kilometern soll sie einmal zwölf markante Punkte oder Passagen aufweisen und soll der kulturellen Identifikation von Cergy-Pontoise dienen. Es befinden sich die verschiedensten Elemente auf dieser Achse. Das sind unter anderem einTurm, ein Laserstrahl, ein Obstgarten, Bodenplatten aus dem Louvre, Hanggärten ein Amphitheater, ein Dampfbrunnen und eine Gruppe von zwölf Säulen. |
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| Straße des Friedens |
| Ungefähr eine halbe Stunde von Beer-Sheba
entfernt erstreckt sich eine Straße aus Säulen mehrere Kilometer
lang durch die Wüste: "Die Straße des Friedens", die soeben
erst fertiggestellt wurde. Ihre Endpunkte werden gebildet von zwei "Toren"
aus vier 3,60 m hohen Beton-Säulen. Das eine liegt direkt an der ägyptischen
Grenze im Westen, das andere im Osten, zwischen den Siedlungen "School
for Peace, History and Agriculture of the Negev", und Nitzana, einer Gründung
aus biblischer Zeit. "In der Nähe stehen die Überreste einer
byzantinischen Kirche, in der ich die Formen für meine Säulen
fand. Auf hundert Säulen, in hundert Sprachen, steht auf jeder Säule
das Wort "Shalom" - Frieden."
Haberlik, Christina in: tain 4/98, "RAUM ALS SKULPTUR - Der Bildhauer Dani Karavan" |
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