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Joseph Beuys 1921-1986Joseph Beuys 1921-1986
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Joseph Beuys 1921-1986Joseph Beuys 1921-1986
Beuys
Vgl. z. B. Beuys im Gespräch mit Hanno Reuther und danach mit Martin Kunz:
"....: aber ganz einfach zunächst gesagt, hat es mich interessiert, den
Begriff Plastik zu untersuchen als eine Sache, die ja sicher außerordentlich in sich geteilt ist. Ich war nicht einverstanden damit, daß die Menschen sagen, hier handelt es sich um eine Plastik, weil man eben weiß, daß eine Plastik im konventionellen Sprachgebrauch ist eben eine Sache, die irgendwo so da in der Gegend steht, es handelt sich um eine Figur oder um ein räumliches Gebilde.

Man meint zu wissen, was eine Plastik ist. Demgegenüber bin ich der Ansicht, daß man es eben gar nicht weiß.

Der Begriff Plastik setzt sich zusammen aus sehr vielen Teilen.
Der Ausgangspunkt ist völlig undifferenziert, ist ein chaotisch Strömendes, Undifferenziertes (...). Das wäre also das chaotische Element, mit dem aber verbunden ist im Menschen selbst, wenn ich danach suche, wo finde ich diese Kräfte im Menschen selbst, der ja schließlich der Produzent einer Plastik ist, dann muß ich sagen, finde ich es zunächst im undifferenzierten Willensmäßigen. Hier kann man wieder ein Licht werfen auf das, was die Psychologen bezeichnen als das Unterbewußte oder Unbewußte. In diesem Bereich findet man also den Ausgangspunkt der Kräfte, die sich des Chaotischen bedienen, also als freiströmendes, chaotisch strömendes Material.
Und hier muß man hineingreifen etwas vollkommen Entgegensgesetztes, was man im Menschen, wenn man die Topographie anwendet, beispielsweise im Denken finden würde. Das eine würde man im Willensmäßigen finden, man könnte sagen, man kann es sogar im Verdauungssystem finden, man kann es im Ausscheidungsprozeß finden, also in dem, was die Menschen auch als schmutzig bezeichnen, (...) alles das, was mit Physiologie des Menschen zusammenhängt.
Demgegenüber kommt ein ideenmäßig Abstraktes, also die Form. Hier haben wir jetzt schon zwei entgegengesetzte Prinzipien, die zu einer Plastik führen, nämlich das Chaotisch-Willensmäßige und das Gedanklich-Formmäßige, was zusammenkommt und sich in einer
Auseinandersetzung befindet.
Dazwischen gibt es unheimlich viel differenziertes Zwischenbegriffe, also zum Beispiel etwas, was man mit dem Rhythmischen bezeichnet, was sicher kommt vom Empfinden; so gesehen würde ich das als die eigentlich
ausgleichende Mitte bezeichnen.
Jetzt haben wir also schematisch drei Elemente. Dazu kommen aber sicher viel andere noch. Und das ist mein Interessengebiet in meiner Lehre, und das, würde ich sagen, ist jetzt
meine plastische Theorie, ..."

(G 1969 REUTHER, S. 38)
– "Und wenn man es überträgt auf den Menschen, ist das psychologisch gar nicht anders als dieser rein emotionelle Wille, der emotionalen ungerichteten Aktionismus betreibt, ein gefühlsmäßig emotionales Bewegungsprinzip, und ein rein formal auskristallisiertes Theoretikum."
– "Ich habe nie irgendeine Strömung abgelehnt, sondern ich habe immer versucht nachzuspüren, welches plastische Prinzip zeigt sich in der Sache, dann, wenn man dieses Element aus einem plastischen Prinzip nehmen würde, überhaupt erst, wenn man es zusammenbaut zu dem Begriff Skulptur. Denn es ist ja ein wesentlicher Bestandteil dieser plastischen Theorie, die ich entwickelt habe, daß sie aus verschiedenen Elementen erst überhaupt zu dem Begriff Skulptur wird, nämlich aus polaren Kräften und aus einem vermittelnden Element der Mitte sich überhaupt erst zu diesem Begriff bildet..."
(G 1979 KUNZ.)
(Aus: Theodora Vischer, Joseph Beuys, Die Einheit des Werkes, Köln 1991)
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© Michaela Gerum 1998