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Joseph Beuys 1921-1986Joseph Beuys 1921-1986
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Joseph Beuys 1921-1986Joseph Beuys 1921-1986
Beuys
Vergleicht man nun Steiners philosophische Konzeption mit Beuysschen Positionen, so wird unmittelbar deutlich, daß auch Beuys Denken und Freiheit in den Mittelpunkt seines Kunstbegriffes stellt. In einem Gespräch mit Robert Filliou aus dem Jahre 1970 sagt er:
"(...) Der Mensch ist gar kein Erdenwesen. Er ist für diese irdischen Verhältnisse partout nicht gemacht. Er ist nur zu einem Teil auf dieser Erde, um etwas ganz Bestimmtes zu erarbeiten, was dann in einer weiteren Evolution darüber hinausgreift. Er wird nicht ewig auf dieser Erde leben. Er wird eines Tages vielleicht auf einem anderen Planeten leben. Unter anderen Verhältnissen, nicht mehr mit dieser Art Körper. Das sind alles Dinge, die mit dem Begriff Plastik insofern zusammenhängen, weil Plastik den genetischen Ursprungspunkt bezeichnet. Da wo der Mensch also wirklich nicht abhängig ist von seiner äußeren Objektwelt, also seiner Umwelt, sondern ganz unabhängig ist aufgrund seines Denkens und seines Freiheitsbegriffs. Es wird also in meinem Sinne das Denken schon als Plastik bezeichnet. Weil das Denken nicht auf etwas Weiteres zurückgeführt werden kann, weil es nicht abhängig ist von der Objektwelt. Da wo das Denken entsteht, ist kein einziges Objekt in der Außenwelt beim Menschen vorhanden. Da wo das Denken sich betätigt, bin ich nicht konfrontiert mit einer Sache, die mich von außen beeinflußt. Denn da wo Denken ist, kann nichts anderes stattfinden. Das kann nur in mir selber sein. Es kann sozusagen nur von einem Kreationspunkt ganz neu in die Welt hineinkommen. (...)"

Die Freiheit hat im Denken ihren Ursprung, Denken ist Kreation, ein elementarer Schöpfungsvorgang. Denken ist ein unsichtbarer plastischer Prozeß, eine Formung nach Innen, eine Formung in einen Geistraum hinein. Der Mensch ist frei aufgrund seines Denkens - im schöpferischen Denken wird Freiheit ganz unmittelbar erlebt.

Beuys kommt - wie Steiner - zu dem Schluß, daß Stoff und Erscheinung, Materie und Form, aus einem geistigen Grund hervorgehen müssen: aus dem Denken. So spricht er davon, daß das Denken ein Schöpfungsakt, an anderem Ort, daß der Ursprung der Kreativität das Denken sei. Das Denken des freien Individuums wiederhole das Evolutionsprinzip von Urbeginn an. Der freie Mensch sei selbst ein Weltenschöpfer, und er erlebe, wie er die Schöpfung fortsetzen könne. Das sei seine ganze Verantwortung.

(aus: Wolfgang Zumdick: Über das Denken bei Joseph Beuys und Rudolf Steiner, Basel 1995)
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© Michaela Gerum 1998