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Joseph Beuys 1921-1986Joseph Beuys 1921-1986
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Joseph Beuys 1921-1986Joseph Beuys 1921-1986
Beuys
Beuys sagte: "Die Hauptintentionen meiner Arbeit drehen sich um eine plastische Theorie und um den Begriff Plastik selbst."

Er unterschied mit seinem
Plastikverständnis auch zwischen Bildhauer und Plastiker:

"Nehmen wir mal an, man findet einen Stein, der aus einer Gletschermühle stammt, wo so´n Gletscher eine hohle Rinne reingemacht hat, das würde dem bildhauerischen Element entsprechen.
Dagegen, wenn ich einen Knochen finde, würde man sagen, der hat sich gebildet im Grunde aus Flüssigkeitsvorgängen, die erstarrt sind. Man findet ja deswegen im Knochen diese verdrehten Kurvenbildungen. Wenn Du z. B. Milch ausgießt, dann siehst Du, da bildet sich etwas, was manchmal so aussieht wie ein Knochen, da drehen sich Wirbel, ganz steif. Wenn der erstarrt wäre, wäre das ein Stück Knochen. Also alles, was sich in der menschlichen Physiologie säpter verhärtet, stammt ursprünglich aus einem Flüssigkeitsprozeß, ist ja auch ganz klar zurückzuverfolgen: Embryologie ... und nach und nach wird das fest, aus einem flüssigen, allgemeinen Bewegungsprozeß, aus einem evolutionären Grundprinzip, was Bewegung bedeutet.
Un das ist grundsätzlich etwas anderes als ein bildhauerischer Prozeß. Der Bildhauer schneidet ein in etwas Festes, Vorgegebens und geht dann meistens geometrisch vor. Geht von einem Block aus, und sagt, das ist hinten, vorne, rechts und links. Orientiert sich also am Fadenkreuz oder an diesem kubischen Kreuz, und nimmt da ´ne Ecke weg und da ´ne Ecke weg ..."
Diesen Plastikprozeß, in dem der Künstler aus einer "steifen Flüssigkeit" etwas formt, verwendt Beuys universell: "Mensch, Plastik, Ästhetik, Kunst" werden schließlich im evolutionären und schöpferischen Prinzip gleichgesetzt. Der Plastikbegriff gilt damit auch für das zeichnerische Werk des Künstlers. Beuys:
"Ich weise darauf hin, daß das erste Produkt menschlicher Kreativität der Gedanke ist. Und ich möchte ihn regelrecht objekthaft den Menschen sichtbar machen, seinen Entstehungsprozeß. Ich sage aus diesem Grunde: Denken ist bereits Plastik. Der aus der Kreativität herausgebildete Gedanke ist schon ein Kunstwerk, eine Plastik. Selbstverständlich sind Gedanken Plastiken für mich. Gedanken wirken in der Welt unter Umständen natürlich viel vehementer als eine Plastik, die sich nur abgeleitet hat und sich in gewisser Weise verstofflicht hat in ein Objekt hinein."
Wiederholt charakterisierte Beuys seine Zeichnungen als "Denkformen" und wies sie damit selbst als Plastiken aus.
(Antje Oltmann, Joseph Beuys für und wider die Moderne, Ostfildern 1994)
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© Michaela Gerum 1998