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Gedenkstätte zur Berliner Mauer in der Bernauer Straße

Diplomarbeit - Markus Hirschmüller - Martina Schäfer
Institut für Darstellen und Gestalten 2 - Prof. Traub
Universität Stuttgart - Wintersemester 94/95

 


 

 

Ausgangspunkt der Diplomarbeit war die Auslobung zu einem Gestaltungswettbewerb für eine Mauergedenkstätte auf dem ehemaligen Todesstreifen in der Bernauer Strasse, an der Bezirksgrenze zwischen Wedding und Berlin-Mitte.

Den Ort als Gedenkstätte zu gestalten hieß für uns, die Frage nach Funktion und Bedeutung von Gedenkstätten, als Orte kollektiven Erinnerns zu stellen, gerade angesichts ihrer typologischen Problematik im Spannungsfeld zwischen heroischem Monument und Holocaustmahnmal. Dies setzte zuerst eine intensive Recherche zur Geschichte der Berliner Mauer in ihrer politischen Bedeutung, ihrer Struktur und ihrer Auswirkungen auf die Stadt, sowie zur Geschichte der Bernauer Strasse voraus.
Die Berliner Mauer wird sich in ihrer politischen Dimension in den Geschichtsbüchern niederschlagen. Orte, wie das Brandenburger Tor und der Checkpoint Charly bleiben als Symbolträger im Gedächtnis haften. Der Alltag der Berliner Bevölkerung beider Stadthälften mit der Mauer wird mehr und mehr in Vergessenheit geraten. Ein Abgehen des ehemaligen innerstädtischen Mauerverlaufes ergab, daß die Spuren der Mauergeschichte fünf Jahre nach dem Fall der Mauer kaum noch lesbar sind.


 

Unsere Definition der Aufgabe bestand darin, den Ort als Historisches Dokument zu begreifen, und den Umgang mit diesem letzten Fragment der innerstädtischen Grenzanlagen, in voller Tiefenstaffelung, zu gestalten.
Unser Ziel war es, den Ort so zu erhalten, daß seine historischen Schichten lesbar bleiben, und ihn Besuchern als Ausgangspunkt einer individuellen Auseinandersetzung mit einem authentischen Zeugnis der jüngsten deutschen Geschichte anzubieten. Dies stellte als architektonische Aufgabe, die Gestaltung der Wahrnehmung des Ortes selbst.

Unser Konzept sieht folgende Maßnahmen vor:

  • Das Betreten des Geländes wird ausgeschlossen, dadurch findet die Begehung der Gedenkstätte im öffentlichen Raum statt. - Das Gelände wird im vorgefundenen Zustand belassen, das heißt eine Rekonstruktion der bereits abgebauten Grenzelemente findet nicht statt.

  • Eine detaillierte Pflegeanleitung legt Maßnahmen fest, die den weitestgehenden Erhalt der Fragmente der Grenzanlagen und das regelmäßige Entfernen des Bewuchses intendieren.

  • Das Gelände wird mit einer viereinhalb Meter hohen Glaswand eingegrenzt.

  • Die Gestaltung der Glaswand erlaubt Einblicke nur an genau festgelegten Stellen. Der Blick der Besucher wird dadurch auf aussagekräftige Details gelenkt.

  • Bodenfugen weisen den Vorbeigehenden auf diese Einblicke hin.

  • Ein Ausstellungsgebäude in Sichtweite präsentiert eine Ausstellung zur Geschichte des Ortes. Dabei sollen anhand von vergleichendem Bildmaterial die Veränderung des Ortes während der Mauerzeit und die Auswirkungen auf den Alltag der Anwohner dokumentiert werden.

  • Als Standort wird die Stelle gewählt an der der nächste Beobachtungsturm aufgestellt war.

  • Ein Abguss des Luftraumes im Turm, der als Skulptur an dieser Stelle aufgestellt wird, bildet das Zentrum des Dokumentationshauses.

  • Das Gelände zwischen dem glasumzäunten Areal und dem Dokumentationshaus wird von Bebauung freigehalten und als öffentlicher Platz gestaltet.

  • Der innere Zusammenhang der Gesamtanlage wird durch eine Blickachse hergestellt, die vom einzigen Punkt an dem du Besucher hinter die Glaswand gelangt, auf den Standort des Turmabgusses gerichtet ist.

Die Wirkung des Entwurfes ist In die Zukunft gedacht, wenn im Zuge der weiteren Stadtentwicklung die Umgebung der Gedenkstätte sich zu einem alltäglichen, städtischen Umfeld gewandelt hat und das ausgegrenzte Areal als Fremdkörper im Stadtraum verbleibt.

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