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Ausgangspunkt der
Diplomarbeit war die Auslobung zu einem
Gestaltungswettbewerb für eine Mauergedenkstätte
auf dem ehemaligen Todesstreifen in der Bernauer Strasse, an
der Bezirksgrenze zwischen Wedding und Berlin-Mitte.
Den Ort als
Gedenkstätte zu gestalten hieß für uns, die
Frage nach Funktion und Bedeutung von Gedenkstätten,
als Orte kollektiven Erinnerns zu stellen, gerade angesichts
ihrer typologischen Problematik im Spannungsfeld zwischen
heroischem Monument und Holocaustmahnmal. Dies setzte zuerst
eine intensive Recherche zur Geschichte der Berliner Mauer
in ihrer politischen Bedeutung, ihrer Struktur und ihrer
Auswirkungen auf die Stadt, sowie zur Geschichte der
Bernauer Strasse voraus.
Die Berliner Mauer wird sich in ihrer politischen Dimension
in den Geschichtsbüchern niederschlagen. Orte, wie das
Brandenburger Tor und der Checkpoint Charly bleiben als
Symbolträger im Gedächtnis haften. Der Alltag der
Berliner Bevölkerung beider Stadthälften mit der
Mauer wird mehr und mehr in Vergessenheit geraten. Ein
Abgehen des ehemaligen innerstädtischen Mauerverlaufes
ergab, daß die Spuren der Mauergeschichte fünf
Jahre nach dem Fall der Mauer kaum noch lesbar sind.
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Unsere Definition
der Aufgabe bestand darin, den Ort als Historisches Dokument
zu begreifen, und den Umgang mit diesem letzten Fragment der
innerstädtischen Grenzanlagen, in voller
Tiefenstaffelung, zu gestalten.
Unser Ziel war es, den Ort so zu erhalten, daß seine
historischen Schichten lesbar bleiben, und ihn Besuchern als
Ausgangspunkt einer individuellen Auseinandersetzung mit
einem authentischen Zeugnis der jüngsten deutschen
Geschichte anzubieten. Dies stellte als architektonische
Aufgabe, die Gestaltung der Wahrnehmung des Ortes
selbst.
Unser Konzept
sieht folgende Maßnahmen vor:
- Das Betreten
des Geländes wird ausgeschlossen, dadurch findet die
Begehung der Gedenkstätte im öffentlichen Raum
statt. - Das Gelände wird im vorgefundenen Zustand
belassen, das heißt eine Rekonstruktion der bereits
abgebauten Grenzelemente findet nicht statt.
- Eine
detaillierte Pflegeanleitung legt Maßnahmen fest,
die den weitestgehenden Erhalt der Fragmente der
Grenzanlagen und das regelmäßige Entfernen des
Bewuchses intendieren.
- Das
Gelände wird mit einer viereinhalb Meter hohen
Glaswand eingegrenzt.
- Die
Gestaltung der Glaswand erlaubt Einblicke nur an genau
festgelegten Stellen. Der Blick der Besucher wird dadurch
auf aussagekräftige Details gelenkt.
- Bodenfugen
weisen den Vorbeigehenden auf diese Einblicke hin.
- Ein
Ausstellungsgebäude in Sichtweite präsentiert
eine Ausstellung zur Geschichte des Ortes. Dabei sollen
anhand von vergleichendem Bildmaterial die
Veränderung des Ortes während der Mauerzeit und
die Auswirkungen auf den Alltag der Anwohner dokumentiert
werden.
- Als Standort
wird die Stelle gewählt an der der nächste
Beobachtungsturm aufgestellt war.
- Ein Abguss
des Luftraumes im Turm, der als Skulptur an dieser Stelle
aufgestellt wird, bildet das Zentrum des
Dokumentationshauses.
- Das
Gelände zwischen dem glasumzäunten Areal und
dem Dokumentationshaus wird von Bebauung freigehalten und
als öffentlicher Platz gestaltet.
- Der innere
Zusammenhang der Gesamtanlage wird durch eine Blickachse
hergestellt, die vom einzigen Punkt an dem du Besucher
hinter die Glaswand gelangt, auf den Standort des
Turmabgusses gerichtet ist.
Die Wirkung des
Entwurfes ist In die Zukunft gedacht, wenn im Zuge der
weiteren Stadtentwicklung die Umgebung der Gedenkstätte
sich zu einem alltäglichen, städtischen Umfeld
gewandelt hat und das ausgegrenzte Areal als
Fremdkörper im Stadtraum verbleibt.
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